
August 31, 2026 6 min lesen.
Die Dusche ist zwanzig Jahre alt, die untere Dichtung ist spröde, und der Hersteller sagt: nicht mehr lieferbar. Manchmal gibt es die Firma gar nicht mehr, manchmal existiert das Modell nicht mehr, und der Prospekt von damals liegt längst im Altpapier. Die Frage, die uns dann fast täglich erreicht, lautet nicht „wie messe ich", sondern: Bekomme ich überhaupt noch etwas?
In den allermeisten Fällen lautet die Antwort ja. In einem klar erkennbaren Fall lautet sie nein, und den sollten Sie kennen, bevor Sie lange suchen. Dieser Ratgeber zeigt beides.
Unsere Duschdichtungen sind herstellerunabhängig. Sie werden auf die Glaskante gesteckt und halten sich am Glas. Ob die Kabine seinerzeit von einem Fertighausbauer eingebaut wurde, von einem Sanitärbetrieb kam oder ein Markenmodell war, das heute keiner mehr führt: für die Auswahl der Dichtung ist das ohne Bedeutung.
Entscheidend sind vier Dinge, die Sie alle selbst ablesen können:
Ein Fall, wie er hier fast wöchentlich vorkommt: eine Eckdusche mit zwei Türen, die in der Ecke zusammenschlagen, eingebaut vom Fertighaushersteller, Nachschub über den ursprünglichen Weg seit Jahren nicht mehr möglich. Mit Glasdicke, Höhe und zwei gemessenen Spaltmaßen war die Sache in zwei E-Mails geklärt und die Dichtungen am selben Tag unterwegs. Das Alter der Kabine war nie ein Thema.
Es gibt eine harte Grenze, und sie hat nichts mit dem Alter oder der Marke zu tun, sondern mit der Bauart. Sitzt die Dichtung in einer Nut im Aluminiumrahmen, statt auf der Glaskante zu stecken, haben wir nichts Passendes. Unabhängig von Glasdicke, Spaltmaß und Länge.
Der Grund ist einfach: Die Nut ist ein Systemmaß des Kabinenherstellers. Steghöhe, Stegbreite und Materialhärte des Dichtungsfußes müssen exakt dazu passen, sonst rutscht das Profil heraus oder lässt sich gar nicht erst einziehen. Unsere Profile haben keinen Fuß für eine Nut, sondern eine U-Schiene für eine Glaskante. Die beiden Bauarten lassen sich nicht ineinander überführen, auch nicht mit Nacharbeit.
Stellen Sie sich vor die Dusche und schauen Sie die Dichtung an der Kante entlang:
Vollgerahmte Kabinen älterer Bauart fallen häufig in die zweite Gruppe. Wenn ein solches Rahmenprofil im Spiel ist, sagen wir das offen, statt Ihnen etwas auf Verdacht zu verkaufen.
Dieselbe Logik gilt für zwei weitere Bauteile, die neben dem Abdichten noch eine zweite Aufgabe haben:
In allen drei Fällen fehlt nicht das Maß, sondern das Halteprinzip passt nicht. Wer hier weitersucht, verliert nur Zeit.
Wenn Ihre Kabine zur ersten Gruppe gehört, geht es schnell. Nützlich sind:
Eine Bitte, die viel Ärger spart: Messen Sie nie die alte Dichtung aus. Sie ist über die Jahre gestreckt oder geschrumpft, Abweichungen von 2 bis 5 mm sind normal. Gemessen wird immer die tatsächliche offene Lücke im eingebauten Zustand. Wie das im Detail geht, steht im Ratgeber Glasdicke und Spaltmaß ermitteln.
Fast jede Anfrage beginnt mit „ich brauche eine Dichtung". Fast immer sind es drei oder vier verschiedene, weil jede Stelle eine andere Aufgabe erfüllt:
An der Eckdusche aus dem Beispiel oben sah die vollständige Liste so aus: unten je Tür eine Schleiflippendichtung mit Abtropfleiste, in der Ecke, wo die beiden Türen aufeinandertreffen, ein Magnetdichtungspaar für 90 Grad, und an den beiden Scharnierseiten je eine Überlappungsdichtung mit 90-Grad-Lippe für den dort gemessenen Versatz.
Zu Letzterer ein Hinweis, der öfter für Verwirrung sorgt: Dieses Profil trägt das Wort Schiebetür im Namen, weil es dort am häufigsten verbaut wird. Entscheidend ist aber nicht die Türart, sondern dass Tür und Festteil in zwei versetzten Ebenen liegen. Bei einer Drehtür ist es dann genauso richtig.

Viele Duschwannen haben eine erhöhte Kante, einen Sockel oder ein aufgeklebtes Profil. Das ist meistens ein Schwallprofil, und es verändert die Bezugsgröße grundlegend, und zwar in Richtung kürzere Lippe, nicht längere. Gemessen wird bis zur Oberkante des Profils, nicht bis zur Wannenfläche, plus 1 bis 3 mm Überlappung.
Das Bild dahinter ist wichtiger als die Zahl: Die Lippe soll über das Profil hinwegflutschen, nicht darauf pressen. Wer das Rohmaß bis zur Wanne einsetzt, landet zwei bis drei Stufen zu hoch. Die Folge sieht man von außen: Die Lippe stellt sich nach außen weg, und die Tür hebt das geklebte Profil beim Öffnen leicht mit an. Das ist keine defekte Dichtung, das ist eine zu lange Lippe.
Bei Viertelkreis-, Halbkreis- und Fünfeckduschen brauchen Sie vorgebogene Profile. Eine gerade Dichtung lässt sich auf gebogenes Glas gar nicht aufbringen, und der Grund liegt nicht in der Lippe, sondern in der U-Schiene: Sie verwindet sich und geht nicht auf die Glaskante. Deshalb gibt es die vorgebogenen Bodendichtungen als eigene Familie.
Zur Stückzahl eine Faustregel, die oft Geld spart: Der nutzbare Bogen einer vorgebogenen Dichtung beträgt rund 86 cm. Addieren Sie die Bogenlängen Ihrer Türflügel. Bleiben Sie darunter, reicht ein Stück, das Sie aufteilen.
Eine Ballondichtung dichtet über einen Hohlkörper, der die Lücke ausfüllt. Sie muss deshalb millimetergenau ins Maß passen. Ist sie zu groß, klemmt sie beim Schieben, ist sie zu klein, liegt sie lose und dichtet nicht. An einer Schiebeanlage, deren Spaltmaß über die Höhe leicht schwankt, gibt es dieses eine Maß nicht. Dort ist eine Lippendichtung oder ein Fugenprofil mit hartem Steg die richtige Wahl, das zugleich die Scheiben führt.
Glasdicken sind Nennmaße. Das tatsächliche Glas weicht um ein paar Zehntel davon ab, mal nach oben, mal nach unten. Solche Zehntel fängt die U-Schiene auf. Ganze Stufen nicht: Ein 6-mm-Profil geht auf 8-mm-Glas nicht auf. Viele unserer Profile sind bewusst für 6 und 8 mm ausgelegt. Bei 6 mm läuft das Glas bis zum Nutboden, bei 8 mm sitzt es zwischen den inneren Anschlagleisten. Beides hält, es ist kein Kompromiss.
Das ist keine Ausrede, sondern Sortimentsrealität, und es ist besser, das vorher zu wissen. Die Spaltdichtung mit offenem Ballon zum Beispiel gibt es für 6 mm und für 8 mm Glas, für 10 mm existiert dieses Profil nicht. Wer 10 mm Glas hat, braucht dort eine andere Bauform, kein anderes Maß derselben Bauform.
Wenn Sie sich nicht durch das Sortiment arbeiten möchten: Der Dichtungs-Finder fragt Glasdicke, Spaltmaß und Einbauposition nacheinander ab und nennt am Ende ein konkretes Profil mit Preis. Führt Ihre Glasdicke bei einem Profil ins Leere, sagt er das ausdrücklich, statt Ihnen etwas Unpassendes anzuzeigen.
Dichtungen und Profile verlassen unser Haus in Standardlängen, typisch 100, 200 oder 250 cm. Auf Ihr Maß kürzen Sie selbst, das ist bei einer geraden Dichtung in zwei Minuten erledigt. Bei 178 cm Glashöhe nehmen Sie also die 200er Länge und schneiden ab.
Rechnen Sie den Verschnitt ehrlich mit: Aus einer 200-cm-Stange bekommen Sie zwei Stücke à 90 cm, nicht mehr. Zwei Stücke à 105 cm gehen daraus nicht.
Zum Werkzeug: kleine Metallbügelsäge plus Cuttermesser. Die Säge trennt die harte Aufsteckschiene sauber ab, mit dem Cutter wird die weiche Lippe nachgeschnitten. Keine Schere, die quetscht das Profil, die Kante wird schief und die Dichtung schließt an der Schnittstelle nicht mehr. Und auch nicht der Cutter allein, der kommt durch den harten Steg nicht sauber durch. Mehr dazu im Ratgeber Duschdichtungen zuschneiden und montieren.
Eine undichte Duschkabine ist fast nie ein Totalschaden, sondern ein Verschleißteil für zwei- bis dreistellige Beträge. Kunststoffdichtungen werden nach fünf bis zehn Jahren spröde, Kalk macht sie hart, das ist normal und vorgesehen. Wenn Wasser austritt, lohnt sich der Blick auf die Ursache, bevor über eine neue Kabine nachgedacht wird. Eine Übersicht der typischen Austrittsstellen finden Sie unter Duschkabine undicht.
Und wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Kabine zur ersten oder zur zweiten Gruppe gehört: Schicken Sie uns zwei Fotos und die beiden Maße. Wir sagen Ihnen, was passt, und genauso deutlich, wenn nichts passt.